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24.06.08

Prekäre Situation bei Rohstoffversorgung trifft Hersteller professioneller Reinigungsmittel hart

Anlässlich der Jahrestagung des IHO (Industrieverband Hygiene und Oberflächenschutz für industrielle und Institutionelle Anwendung e.V.) wurde über alle Sektoren hinweg vor allem ein Problem deutlich: Die Mitgliedsfirmen des IHO sehen sich mit einer prekären Situation bei der Rohstoffversorgung konfrontiert, die es in dieser Tragweite in der Bundesrepublik noch nicht gegeben hat.

„Vor allem bei Phosphorsäure und Phosphaten ist eine nie dagewesene Verknappung und Verteuerung festzustellen“, führte Klaus Wilbert, Verbandsvorsitzender, in einem Bericht aus. „Wir müssen letzte Mengen an den Spotmärkten zusammenkaufen“. Der Rohstoff hat sich nach Daten der Rohstoffbörsen im letzten Jahr von 45–50 €/Tonne auf über 400 €/Tonne verteuert. Laut statistischem Bundesamt haben sich demgegenüber Waschmittel um weniger als ein Prozent verteuert. Ursache sei die weltweit enorm steigende Nachfrage nach Düngemitteln, die dem Markt in großen Mengen den Rohstoff Phosphat entzieht. So haben die Entwicklung "Getreide zu Biosprit" und der gleichzeitig steigende Nahrungsmittelbedarf ihre direkten negativen Auswirkungen auch auf die Reinigungsbranche, ergänzte Wilbert seine Ausführungen.

Neben dem Phosphatpreis sind bekanntlich auch die Preise für Rohöl exorbitant gestiegen, was einen direkten Einfluss auf den Preis vieler vom Rohöl abhängiger Reinigungsmittel - Rohstoffe hat. Kunststoffverpackungen, Energie und Transportleistungen sind gleichfalls betroffen. Darüber hinaus hat der Tarifabschluss in der chemischen Industrie die Personalkosten um fast fünf Prozent verteuert. Deshalb sind die Herstellerfirmen zu Notmaßnahmen gezwungen. Das führt selbst zu Entlassungen von Mitarbeitern – Medien berichteten bereits von geplanten Personalabbaumaßnahmen in mehreren Herstellerfirmen als Reaktion auf die akuten Kostensteigerungen.

Wenn das verfügbare Phosphat nicht mehr für alle Einsatzgebiete reicht, sind entsprechende Rezepturänderungen nötig. "Im Gegensatz zu Haushaltswaschmitteln kann Phosphat in zahlreichen professionellen Produkten nicht ausgetauscht werden. Potenzielle Substitute können die Eigenschaften von Phosphat nur partiell ersetzen", erklärte Dr. Wolfgang Wagemann, stellvertretender Vorsitzender des IHO. „Ersatzprodukte haben häufig ein völlig anderes Leistungsprofil, so dass bei einem Phosphatverzicht die Anwendungsprozesse modifiziert werden müssen und Einschränkungen bei der Reinigungsqualität nicht zu vermeiden sind. Höherer Wasser- und Energieverbrauch können fallweise auch resultieren“.

Außerdem verteuert der Abtausch von Phosphat durch alternative Rohstoffe immer die Produktkosten, also ein Teufelskreis. Erschwerend wirkt sich aus, dass die erhöhte Nachfrage nach den Austauschstoffen diese wiederum verknappt und verteuert. Die Mitgliedsfirmen beklagen die noch zusätzlich politisch eingeschränkte Auswahl von Alternativstoffen. So ist die Verwendungsmöglichkeit von in Europa gängigen Alternativrohstoffen wie zum Beispiel EDTA (Ethylendiamintetraessigsäure) in Deutschland aufgrund nationaler beziehungsweise regionaler Rechtsvorschriften deutlich eingeschränkt.

Die Mitgliedsfirmen des IHO versuchen, durch aufwändige Rezepturveränderungen und Prozessoptimierungen das gewohnte hohe Reinigungs- und Hygieneniveau trotz dieser erschwerten Rahmenbedingungen sicherzustellen. Die Hersteller gewerblicher Reinigungsmittel setzen ihre Priorität hierbei weiterhin eindeutig auf die Qualität. In professionellen Bereichen sind Reinigungs- und Desinfektionsprozesse unverzichtbare Elemente zur Sicherstellung der hygienischen Anforderungen zum Beispiel bei der Herstellung und Verarbeitung von Lebensmitteln und in allen Bereichen der Großverpflegung. Engpässe könnten hier dramatische Konsequenzen haben!

Leider ist für die Zukunft nicht mit einer Entspannung an der "Rohstofffront" zu rechnen. Auch nach der fulminanten Preisrallye sind nach Aussagen der Lieferanten weitere Kostensteigerungen zu erwarten. Die Unsicherheit, die erforderlichen Rohstoffmengen in Anbetracht des knappen Weltmarktangebotes überhaupt zu erhalten, steigt weiter.